Abenteuer im Möbelhaus

Es ist schon manchmal komisch, wie die Meinungen auseinander gehen, wenn es um die Einrichtung der Wohnung geht. So gesehen in unserem Bekanntenkreis. Heidi und Klaus wollen nach Jahren des friedlichen Zusammenlebens in ihrer 4 Zimmer Dachgeschoßwohnung nun endlich in ein kleines Reihenhaus ziehen. Klaus wollte einen Garten, Heidi fand es einfach toll, nicht mehr so viele Treppen steigen (sie werden schließlich nicht jünger) und im Sommer nicht mehr so warm in der Wohnung. Also kurz gerechnet, ob man sich die Mehrkosten leisten kann, Urlaube gestrichen und mit Zettel und Stift bewaffnet  ab in die neue Wohnung.

Um die Einrichtung richtig planen zu können bewaffnete sich Heidi mit Meterstab und Papier und hat die neue Wohnung bis ins kleinste Detail vermessen. Na gut, nicht beim ersten Versuch, aber nach dem dritten Einsatz mit dem Meterstab hatte sie dann doch so ziemlich alle Maße, denn ihr geduldiger Klaus hat alle Wände sorgfältig vermessen und ihr die Werte dann gegeben, auch nach dem dritten Anlauf. Dann standen die ersten Besuche bei diversen Möbelhändlern an, zuerst die Duschwanne anschauen, dann beim etwas geschwätzigen Händler vor Ort über Schlafzimmerschrank und Küche informieren. Am Ende des Besuches beim geschwätzigen Händler hatten Heidi und Klaus dann einige Prospekte unter dem Arm, wussten aber fast nicht mehr, warum sie eigentlich in dem Laden waren, vielleicht sollte der liebe Mann lieber etwas weniger reden. Später fiel ihnen dann der Grund ihres Besuches wieder ein (man hatte ja die Prospekte) und man versuchte, aus den Prospekten eine Küche zu planen, was nicht sehr gut gelang.

Also fuhren H. und K. am nächsten Wochenende zum größten Möbelhändler südlich von München, um dort Küche und Schlafzimmerschrank (inklusive Nachtkästchen und Kommode) zu suchen und auch zu kaufen, denn sonst wird es nämlich mit der Lieferung bis Anfang Oktober etwas knapp. Da kein Küchenfachverkäufer verfügbar war bekamen sie ein Telefon mit dem Versprechen sie würden angerufen, sobald ein Berater frei sei und wurden prompt nach ca 10 Minuten angerufen. Tja und bei der jungen Dame verbrachten sie dann ca 3 Stunden mit der Auswahl ihrer neuen Küche. Kaum zu glauben, an was man alles denken soll, aber letztendlich hat es dann geklappt. Die Fachfrau setzte ihr würdevollstes Gesicht auf und begann den Preis auszurechnen. Normalerweise, so meinte sie, würde die Küche 23000 € kosten, aber Gott sei Dank gäbe es während der Rabattwochen satte 61% Rabatt, kaum zu Glauben, so ein Glück. So kostete die Küche dann nur noch knapp 11000€. Dann rechnete der Computer noch die günstigste Zusammenstellung der Blöcke aus und die Küche kostete nur noch 5200 €. H. und K. konnten ihr Glück gar nicht mehr fassen und waren den Tränen nahe. Dann meinte K., er wollte ja eigentlich keine 5200 € ausgeben, sondern höchstens 4000 €, worauf die Fachfrau mit ihrem Chef sprach, der die Küche dann für 4700 € inklusive Einbau und Aufmass an H. und K. „verschenkte“. H. und K. hatten ein ganz schlechtes Gewissen, da die Küche nur knapp ein fünftel des Normalpreises kostete, beschlossen aber, das nächste Auto auch im Möbelgeschäft zu kaufen, da die Rabatte hier viel besser sind. Nein im Ernst, H. und K. sind sich etwas veralbert vorgekommen, haben die Küche aber für 4700€, einem normalen Preis, gekauft. Dann gings erst mal ins Restaurant, was essen, bevor man noch den Kauf des Schlafzimmerschrankes, inklusive passenden Nachtkästchen und passender Kommode in Angriff nahm. K. waren die passenden Zubehörteile wurscht, da sie ja alles schon hatten, aber H. war sich sicher: ohne die passenden Nachtkästchen und die Kommode konnte sie im Oktober nicht ins neue Domizil umziehen. K. dachte sich, so sei es denn. Also in die nächste Abteilung und die verschiedenen Ausstellungsstücke angeschaut. Hmm, schöner Schrank, aber die Farbe, er soll doch, wie K. jetzt erfuhr, weiß sein. Oh, ein schöner weißer Schrank, was keine passenden Nachtkästchen, na dann halt nicht. Schrank weiß, Nachkästchen und Kommode erhältlich, wie so teuer, da bekommt man ja ein ganzes Schlafzimmer mit Bett dazu! Tja und das wars dann, H.  und K. kamen zu dem Schluß, ein komplettes Schlafzimmer zu kaufen, weil es billiger kommt. Die spinnen die Möbelhäuser, wie kann sowas sein? Man kombiniert alle Teil zusammen und bezahlt weniger, als für die Einzelteile? Liegt wahrscheinlich am Wetter, oder an den 61% Rabattwochen, verstehe es wer will, H. und K. nicht, aber trotzdem gekauft, sogar mit Strasssteinen besetzt sind die Möbel! H. hatte ein seeliges Grinsen im Gesicht und den Kaufvertrag für eine Küche und ein komplett weißes Schlafzimmer in der Handtasche, was kann schöner sein. Couch konnte dann leider nicht mehr gekauft werden, erstens gab es keine blütenweißen, günstigen Modelle und zweitens hatte K. die Schnauze voll. Selbst Schuld, jetzt muss er das nächste Wochenende eben auch noch zu IKEA, eine weiße Couch kaufen. Nun und hier sind wir wieder beim einleitenden Satz, wie weit doch die Meinungen auseinandergehen können. Weiße Couch, super, kann man nur benutzen ohne Jeans, aber mit langer Hose, wird ja sonst schmutzig, dafür kann man ja die Bezüge waschen und kostet ja fast nichts, die anderen Farben sind viel teurer und überhaupt ist weiß sooooooooo toll. H. und K. werden also immer CSI Gerichtsmediziner Overalls im Haus haben und an die Gäste verteilen und alle 2 Wochen wird kein Besuch eingeladen, weil die Bezüge der Couch in der Wäsche sind, oder man hängt sich Plastikschonbezüge drüber, oder………… zählt alles nicht, die weiße Couch muss her, obs nun praktisch ist oder nicht. Ist ja auch nur recht und billig, da Heidi ja schon wegen Klaus kein weißes Schlafzimmer bekommen hat, oder war es irgendwie anders? Egal, Heidi bekommt die weißen Einrichtungsgegenstände und Klaus kann damit leben, es gibt ja schließlich noch einen großen Keller, da kann man ja dann farbige Gegenstände reinstellen.

Hauptsache  man fühlt sich wohl und da bin ich mir sicher: Heidi und Klaus fühlen sich trotz dieser Nebensächlichkeiten (unterschiedliche Meinungen zur Einrichtung) sicher wohl in ihrem neuen Zuhause.

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